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Naissam Jalal: Landscapes Of Eternity (Review)
| Artist: | Naissam Jalal |
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| Album: | Landscapes Of Eternity |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Jazz, World, Klassik, Fusion |
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| Label: | Les Couleurs Du Son | |
| Spieldauer: | 38:51 | |
| Erschienen: | 24.04.2026 | |
| Website: | [Link] |
Mit NAISSAM JALAL begeben wir uns auf eine weite Reise tief hinein in die indischen, arabischen Landschaften – intim und leidenschaftlich, spirituell und traditionell, experimentell und universell zugleich. Was hier esoterisch anmutend, hypnotisch beginnt, wird nach und nach zu einem wilden Vulkanausbruch experimenteller Klanggewalt der Extraklasse. Flöten, Schlagzeug, Piano, Gesang und Saiteninstrumente, die natürlich typisch indisch/arabisch wie eine Sitar klingen (aber von der Sarod und Tanpura – so gesehen die kleineren Geschwister der Sitar – kommen), überschlagen sich regelrecht oder harmonisieren, als würden sie mit einer leidenschaftlichen Liebe die größte sexuelle Erfüllung – bzw. die im Albumtitel angepriesenen Landschaften der Ewigkeit – finden.
„Landscapes Of Eternity“ vereinen zwischen Jazz und Klassik sowie den einfallsreichsten Improvisationen ein völlig eigenes Universum aus indisch-hinduistisch geprägten Klängen, die sich der Welt des Jazz öffnen und darin ihr völlig eigenes Universum pflanzen.
Fusionierte, kontemplative, zauberhafte Klangbilder entfalten sich vor Hörers Ohren und lassen ungeahnte Bilder entstehen, die tief in das Unterbewusstsein reisen und darin nach den weltmusikalischen Ecken fahnden. Hierbei wird die Stille genauso wie das Eruptive gefeiert, die Flöten lassen einen kaum atmen und der wortlose Gesang wird zur großen Arie zwischen Flüstern und Schreien, das Klavier hämmert wilde Rhythmen auf den schwarzen und weißen Tasten und das Schlagzeug begleitet es dabei, während die altehrwürdigen indischen Saiteninstrumente für schwebende Klänge sorgen.
Wer nur ist diese Frau auf dem LP-Cover, die so unschuldig mit ihrer Flöte in der Hand dreinblickt und eine dermaßen leidenschaftliche Musik entstehen lässt, werden sich viele sicher fragen, nachdem sie die ersten Klänge hinter „Landscapes Of Eternity“ vernommen haben – und sich tatsächlich eine völlig neue Klanglandschaft vorm Hörer auftut. Hier der Versuch einer Antwort: NAISSAM JALAL ist eine atemberaubende Flötistin, Sängerin und einfallsreiche Komponistin, die laut eigener Aussage „auf einen fruchtbaren musikalischen Werdegang zurückblickt, der von Leidenschaft und Neugierde geprägt ist“. Als Tochter syrischer Eltern wurde sie 1984 in einem Pariser Vorort geboren und legte eine beeindruckende Karriere als Musikerin hin, aus der eine Reihe hervorragender CD-Veröffentlichungen und renommierter Auszeichnungen hervorgingen, darunter der „Coup de cœur“ der Académie Charles Cros (2017) und die „Victoires du Jazz“.
Zudem ist sie in einer Vielzahl von Musik-Projekten unterwegs, wobei es ihr auch live gelingt, das Publikum in regelrecht trance-ähnliche Zustände zu versetzen. Im Mittelpunkt ihrer Musik vereint sie willensstark geistige Freiheit, universale Offenheit und spirituelle Tiefe. Doch all das sagt noch immer viel zu wenig über die Faszination hinter ihrer Musik aus, deren ganze Schönheit sich auf den vier langen Stücken der LP zu einer unglaublichen Größe erheben.
Schwebend beginnen die Tränen, welche im Nebel von Delhi vergossen werden, bis sie vom Hypnotischen ins Rhythmische und dann gar ins wild Improvisatorische übergehen. Alles geschieht völlig überraschend und unberechenbar und zieht den Hörer in seinen wechselhaften Bann.
Dann geht’s ab in die Reisfelder während des Morgengrauens – mitten in Indien, was an den typisch indischen Gesängen – reine Vokalisen – festgemacht werden kann, während sich das Stück zu einer wilden Improvisation am Klavier und Schlagzeug entwickelt, um sich am Ende entspannt oder erschöpft zurückzuziehen.
Und damit endet schon die LP-A-Seite, um mit einer ganz besonderen Form der hinduistischen klassischen Musik auf der B-Seite zu beginnen, dem Raag Kafi, einem der ältesten und melodischsten Ragas, der tief in der indischen Volksmusik verwurzelt ist und bei NAISSAM JALAL sich voller Improvisationskunst wieder im Jazz frei und verspielt entfalten kann, während die Sängerin nicht nur ihre oktavenreichen Vokalismen darüber verbreitet, sondern sogar klare, gebetsartige Worte spricht.
Sogar an eine Harfe erinnernde Klänge verbreiten hierbei einen europäischen Musikanstrich, damit zum großen Finale das Bad der Vergebung inmitten des Mondlichts eingenommen werden kann, das mit Tanpura und Klavier voller Harmonie beginnt, bis uns eine diesmal gar männliche Gesangsstimme begrüßt und alles etwa fünf Minuten lang eine entspannte Mondschein-Stimmung verbreitet, um plötzlich mit Schlag- und Flötenrhythmen die Zeremonie anzuheizen, aber ohne die Harmonien zu zerstören. Beglückt verabschiedet man sich aus dem Album, nachdem man auf eine dermaßen außergewöhnlich musikalische Weise bekehrt wurde.
Eigentlich sollten wahre Musik-Freigeister, die sich in der Weltmusik genauso wie im Jazz und gewagten Klassik-Experimenten sowie den Schönheiten der indischen Tradition zuhause fühlen, der Musik von „Landscapes Of Eternity“ mit Haut und Haaren – und natürlich Ohren, Hirn und Herz vollends verfallen. Das ist nicht nur eine Entdeckung – es ist eine Offenbarung!
FAZIT: NAISSAM JALAL verführt und entführt uns auf „Landscapes Of Eternity“ in die indisch-hinduistische Musikkultur der ganz besonderen Art, denn die singende Flötisitin fusioniert und improvisiert gemeinsam mit ihrer Band (an Piano, Schlagzeug und traditionellen Saiteninstrumenten) auf ihrem Album Jazz, Traditionelles, Klassik, Weltmusik, Modernes und irrwitzige Vokalismen, die eine ganz eigene Welt entfalten, die sich zwischen leiser Hypnose und explodierender Urgewalt bewegt. Diese indisch geprägten Landschaften muss man einfach besucht haben, wenn man zu dem Menschenschlag gehört, der noch neugierig auf Musik der besonderen Art ist.
PS: Wer sich für die CD-Version des Albums entscheidet, der bekommt mit „Soft Rain On A Silent River“ noch einen ebenso gelungenen – zugleich längsten – Song des Albums geboten, den man sich eigentlich nicht entgehen lassen sollte, auf den aber leider wegen der LP-Kapazität (um deren hervorragenden Klang zu wahren) verzichtet werden musste.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Seite A (19:43):
- Tears In Delhi's Fog (10:44)
- In The Rice Fields At Dawn (8:59)
- Seite B (19:08):
- Inner Landscape In Raag Kafi (7:21)
- Bath Of Forgiveness In The Moonlight (11:47)
- Gesang - Naissam Jalal, Samrat Pandit
- Keys - Leonardo Montana
- Schlagzeug - Zaza Desiderio
- Sonstige - Naissam Jalal (Flöte), Sougata Roy Chowdhury (Sarod), Flo Comment (Tanpura), Nabankur Bhattacharya (Tabla)
- Landscapes Of Eternity (2026) - 14/15 Punkten
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