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Alin Coen: Du bedeutest mir die Welt (Review)

Artist:

Alin Coen

Alin Coen: Du bedeutest mir die Welt
Album:

Du bedeutest mir die Welt

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Liedermacherin, Pop

Label: Pflanz einen Baum
Spieldauer: 32:05
Erschienen: 29.05.2026
Website: [Link]

Es ist „Immer noch da“, dieses intime Gefühl, das sich in einem sofort breit macht, wenn ALIN COEN zu singen beginnt: mit ihrer unverwechselbaren Stimme, so wunderschön und gefühlvoll wie ein Bad in welken Rosenblättern während eines Sommerregens kurz vorm Sonnenuntergang. Wer heutzutage noch Mut zum Träumen besitzt und dabei die Schrecken der Gegenwart auszublenden versteht, der verliebt sich sofort in diese zartfühlende, poetische Musikerin, selbst wenn sie in einigen ihrer Texte neben all dem lebensweisen Optimismus auch nachdenkliche Positionen bezieht. Von Trennungen oder der nicht wirklich richtigen Wahl singt.


Nur mit ihr kann man unbeschwert ein- und ausatmen, ohne in Panik zu geraten oder sein Gehirn mit von allen hass- und leiderfüllten Gedanken ausmisten, die so nicht auf fruchtbaren Boden fallen können. Hinter den Liedern von ALIN COEN bekommt jede Intimität eine neue Dimension – egal, ob sich diese zwischen großem Herzschmerz und ebenso großer Liebe einpendelt.
Bisher galt im Grunde: Wer einmal in den Bann von ALIN COEN gezogen wird, der verfällt ihr für alle Zeit. Sie ist eben eine Liedermacherin voller melancholischem Pop-Appeal, deren Lieder Intelligenz und Gefühl ausstrahlen – und so gesehen sofort intelligente und gefühlvolle Menschen erreichen, weil sie der Oberflächlichkeit keinen Platz einräumt. Zumindest war das bisher so.
Darum gilt erstmal „Atme ein, atme aus“, denn mit „Du bedeutest mir die Welt“, dem aktuellen Album von ALIN COEN verhält es sich stellenweise (leider) etwas anders. Es zieht – besonders auf der LP-A-Seite – eine gewisse musikalische Eintönigkeit ein.


Vielleicht verunsichert schon dieser Albumtitel ein wenig mit seinem metaphorischen Liebesvergleich, der heutzutage herhalten muss, weil man ein „Ich liebe dich über alles“ bei der unerbittlichen Sprachpolizei besser nicht mehr verwendet, gerade weil solch eine Wendung ja in einer der drei Strophen unseres „Lied der Deutschen“ (also der Nationalhymne) auftaucht, die man in der Öffentlichkeit nicht mehr singen oder rezitieren sollte, da das verhängnisvolle existenzielle Maßnahmen zur Folge haben könnte – nur weil es uns nicht gelingt, mal ernsthaft mit unserer Geschichte aufzuräumen. Wen interessiert da eigentlich noch, dass genau dieser Text bereits 1841 entstand und damals gar nichts mit dem hitlerschen Größenwahn und dessen Missbrauch zu tuen hatte – sondern tatsächlich mit der unendlichen Liebe, in diesem Sinne zu einem damals zerklüfteten Land, das endlich in sich vereint wäre. Liebe eben, die über alles geht – bereits wenn diese im weiblichen Körper entsteht – und sich anno 2026 bei ALIN COEN sogar bis hinein ins All bewegt. Denn auch auf „Du bedeutest mir die Welt“ steht die innige Liebe (nicht nur zu den Menschen) über allem und alles.


ALIN COENs „Du bedeutest mir die Welt“ ist als Lied – der Titel- und letzte Song des Albums zugleich – eine Entschuldigung dafür, dass einfach zu selten dieses „Ich liebe dich“ ausgesprochen wird, das man nun mit der besagten Zeile sowie zusätzlichem Chor-Gesang noch deutlich verstärkt: „Auch wenn ich's dir vielleicht / Viel zu selten sag: / Du bedeutest mir die Welt / Auch wenn mein Ego mir manchmal die Sicht verstellt“. Ein fast etwas zu pathetisch geratener Schluss...

Schön ist zudem, dass besonders auf der LP-B-Seite die musikalischen Ideen auf „Du bedeutest mir die Welt“ vielfältig umgesetzt werden und dabei sogar eine begnadete Musikerin wie LIV SOLVEIG an der Geige auf „Schwer verliebt“ und „Alles beginnt im All“ wichtige Akzente setzt, während Frau Coen mitunter eine liebestoll-vertrackte Astrologin sowie Sterndeuterin in „Mond und Erde“ oder eben besagtem „Alles beginnt im All“ erkennen lässt. Wobei ihr nicht immer gelingt, an die ganz großen Werke ihrer Vergangenheit anzuknöpfen. Da lächelt eben öfters der verschmuste Deutsch-Pop im Liedermacher-Stil durch und die eine oder andere Textpassage gerät etwas zu banal.


„Alles beginnt im All“ liebäugelt mitunter glücklicherweise mit elektronischen Spielereien oder Ohrwurm-Melodien, dreht aber manchmal leider den Melancholie-Regler zugunsten einer poppigen Melodie sowie einen nicht wirklich schwer beeindruckenden Text runter: „Du bist da / Du bist da / Und ich liebe dich.“ Solche liebessäuselnden Plattitüden sind eigentlich nicht Frau Coens Sache. Wie's scheint, ist es wohl nie zu spät dafür, im Rauch des wallenden Musikerinnen-Blutes damit anzufangen. Der eine oder andere wird ALIN COEN aus poetischer Sicht deswegen vielleicht nicht gleich ins All, sondern besser auf den Mond schießen wollen.

Demgegenüber stehen aber eine Vielzahl sehr intimer, bewegender Songs, die einem das Herz öffnen, weil ALIN COEN ihr eigenes Herz darin öffnet. Das sind dann wieder die Momente, welche ALIN COEN so unverwechselbar und liebenswert einzigartig machen.


FAZIT: „Du bedeutest mir die Welt“ ist ALIN COENs etwas zu einseitig klingende (leider nur gut halbstündige) Liebeserklärung an die Welt und die Menschen zugleich. Sehr intim mit viel Klavier, größtenteils sehr beruhigend, aber mit einigen musikalischen Spielereien („Schwer verliebt“) eingespielt. Auch ihre Texte tangieren zwischen großartig bis durchschnittlich. Doch das Liebevolle hinter „Du bedeutest mir die Welt“ überträgt sich schnell auf den Hörer und die Stimme der Musikerin verbreitet noch immer eine hypnotisch-faszinierende Aura, die sich ganz besonders in so ruhigen und entspannenden Songs wie „Atme ein, atme aus“ oder „Keine Eile“ unmittelbar auf einen übertragen.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 81x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 11 von 15 Punkten [?]
11 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (15:58):
  • Immer noch da (2:59)
  • Die wichtigen Zahlen (3:18)
  • Keine Eile (3:16)
  • Kapitulation (3:14)
  • Atme ein, atme aus (3:11)
  • Seite B (16:07):
  • Schwer verliebt (2:31)
  • Mond und Erde (4:13)
  • Alles beginnt im All (2:40)
  • Bis bald (3:20)
  • Du bedeutest mir die Welt (3:23)

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